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2021 coronaSehr geehrte Frau Ministerin,
sehr geehrter Herr Minister,

der Sport und die Sportvereine sind für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Gesundheitsförderung unverzichtbar. Darüber besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens. Die Landespolitik hat dies gerade auch durch die Corona-Soforthilfe und durch die Aufstockung der Mittel im Solidarpakt eindrucksvoll bestätigt.

Doch in der Corona-Pandemie wird diese wichtige Rolle unserer Sportvereine nach wie vor nicht angemessen berücksichtigt. Im Gegenteil: Unseren Sportvereinen und den unzähligen freiwillig engagierten Menschen dort wurden schon bislang in den Corona-Verordnungen größtenteils Vorgaben gemacht, die in einem Ehrenamt kaum zu leisten sind. Das hat in den Vereinen für massiven Unmut und Unverständnis gesorgt. Immer mehr bewegt es dazu, ihren langjährigen Einsatz aufzugeben, weil man sich das alles in der Freizeit nicht antun muss. Das ist für uns als Sportkreis-Präsidium sehr bedauerlich, menschlich aber mehr als nachvollziehbar.

Als ob die Belastungen für die Sportvereine und die Ehrenamtlichen in den vergangenen 15 Corona-Monaten nicht schon hoch genug waren, ist ihnen nun mit der Testpflicht für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren vor jedem Training ein weiterer und sehr großer Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Die Reaktionen der Vereinsverantwortlichen, der Trainerinnen und Trainer, aber auch der Eltern reicht von Resignation über verständnislose Kopfschütteln bis hin zu Wut auf die Landespolitik. Beispiele aus den Mails und Anrufen, die ich erhalten habe und die unterstreichen, wie weltfremd und in der Praxis untauglich diese Testpflicht ist, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
• „Alles sehr unbefriedigend und echt eine Katastrophe fürs Ehrenamt und vor allem für die körperliche aber auch geistige Entwicklung unser Kinder!“

• „Das mal meine Sichtweise eines Pragmatikers und an vorderster Front einer Jugendabteilung! Sozusagen ein Hilfeschrei...“

• „Man sollte um einen gemeinsamen Klageweg nachdenken. So gehts doch nicht! Unsere Trainer und sicher auch viele von anderen Vereinen sind völlig fassungslos ob solcher Bestimmungen. Wer soll das denn in der Praxis umsetzen???“

Die Testpflicht für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren ist nicht nur ein bürokratisches Unding und eine enorme Belastung für unsere Ehrenamtlichen. Sie zu erfüllen, ist auch für die Eltern eine erheblich organisatorische Bürde. So dürfte es etwa berufstätigen Eltern in ländlichen Regionen kaum möglich sein, tagsüber ihre Kinder zu einer Teststation zu chauffieren, damit diese am Nachmittag dann am Vereinstraining teilnehmen können. Die Folge: Die Kinder bleiben dem Sport fern, die soziale Teilhabe wird eingeschränkt, der Bewegungsmangel bleibt. Ob die jungen Menschen dauerhaft dem Verein treu bleiben, dürfte fraglich sein. Schon zu Jahresbeginn zählte der Württembergische Landessportbund mehr als 40.000 Kinder und Jugendliche weniger im Vergleich zur Zeit vor Corona.

Als Präsidium des Sportkreises Ravensburg fordern wir zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen daher:

• Beenden Sie die Testpflicht für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren sofort. Denn es ist weder vermittelbar, dass für Kinder und Jugendliche ein tagesaktueller Test für die Teilnahme am Vereinstraining benötigt wird, während die Tests in den Schulen eine Gültigkeit von 48 Stunden haben. Noch ist nachvollziehbar, dass überhaupt ein separater Test benötigt wird. Denn Kinder und Jugendliche werden bei einem positiven Test in der Schule ohnehin vorsorglich in Quarantäne geschickt– und dürfen damit auch nicht am Vereinstraining teilnehmen. Nehmen Sie den Schulen bitte die Nachweisübermittlung an die Sportvereine ab. Kein Mensch braucht dies. Oder unterstellen Sie ernsthaft, dass ein in der Schule positiv getestetes Kind ins Training zum Sportverein geht?

• Für die anstehenden Sommerferien planen viele Vereine mehrtätige Sportcamps, die als Ferienbetreuung auch der Entlastung der Eltern dienen. Sollen die Eltern nun in der schulfreien Zeit vor jedem Sportcamp-Tag zu einer Teststation fahren? Das kann ernsthaft niemand wollen. Für die schulfreie Zeit braucht es daher wenigstens ein Verfahren, wie es auch in vielen Schulen praktiziert wird: Eltern testen ihre Kinder zweimal die Woche und zeichnen mit ihrer Unterschrift verantwortlich.

• Der Verordnungsdschungel muss ein Ende haben. Selbst die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verbänden haben größte Mühe, rechtliche einwandfreie Auskünfte zu geben, was denn nun erlaubt ist und was nicht. Teils widersprechen sich die Vorgaben, lassen zu viel Raum für Interpretation und sorgen damit für ein permanentes Vor und Zurück bei der Auslegung. Zugleich scheinen Sportaktivitäten mit einer Testpflicht belegt und damit eingeschränkt, die zuvor noch unbeschränkt waren. So ist etwa unklar, ob Rehasport zum kontaktarmen Freizeit- und Amateursport zählt und damit neuerdings einer Testpflicht unterliegt, oder für die Teilnahme an Anfängerschwimmkursen der für einen Bäderbesuch notwendige Negativ-Test erforderlich ist. Beides wäre weder nachvollziehbar noch angemessen.

• Allein schon diese beiden Beispiele zeigen: Ständig neue Einzelfallregelungen und fortwährendes Hin und Her aus der Interpretation des Verordnungstextes, Nachfragen, Klärungen sorgen nur für heillose Verwirrung. Andere Bundesländer bekommen dies deutlich besser hin, ehrenamts-, sport- und kinderfreundlicher. Daher braucht es für den Sport in unserem Land endlich einen Runden Tisch, an dem wir – Sport, Politik, Verwaltung – gemeinsam klären, was wie sinnvoll und praktikabel geregelt werden kann. Damit der organisierte Sport und seine Vereine nicht nur mit verlässlichen Regeln durch die nächsten Monate kommen, sondern auch die weiteren Folgen der Corona-Pandemie bewältigen können. Wir bitten Sie nachdrücklich, diesen seitens des Sports bereits mehrfach geäußerten Vorschlag aufzugreifen, um endlich gemeinsam für Klarheit und Akzeptanz zu sorgen. Nutzen Sie doch die zuhauf vorhandene Expertise des organisierten Sports – seiner Sportvereine und Sportverbände!

Sehr geehrte Frau Ministerin Schopper,
sehr geehrter Herr Minister Lucha,

der organisierte Sport und die Sportvereine haben lange und schwere Monate des Lockdowns hinter sich. Vielen Ehrenamtlichen ist die Vorfreude darauf, dass dank zuletzt stetig sinkender Infektionszahlen Sport und das Erleben von Gemeinschaft wieder möglich sind, insbesondere durch die Testpflicht für Kinder und Jugendliche genommen worden. Daher bitte ich Sie: Helfen Sie dem Sport, den Sportvereinen und den Ehrenamtlichen mit praxistauglichen Regelungen das gesellschaftlich so wichtige Engagement für soziale Teilhabe und Gesundheitsförderung wieder in Gang zu bringen. Vor allem die Kinder und Jugendlichen brauchen Bewegung und Sport dringender denn je und werden es Ihnen danken! Und gerade für Kinder und Jugendliche, für alle ehrenamtliche engagierten Frauen und Männer ist Sport mehr als „nur“ Sport: Leidenschaft – Gemeinschaft – Zusammenhalt!

Mit sportlichen Grüßen und viel Gesundheit

Für das Sportkreispräsidium

 

Karlheinz Beck               Uschi Riegger                           Eberhard Heurich
Präsident                        Vize-Präsidentin                        Vize-Präsident

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